Ausgabe Juni 2022

USA: Kulturkampf vor der Kongresswahl

Demonstrierende vor dem US-Kapitol in Washington D.C., 8.5.2022 (IMAGO / NurPhoto)

Bild: Demonstrierende vor dem US-Kapitol in Washington D.C., 8.5.2022 (IMAGO / NurPhoto)

In schneller Folge haben jüngst drei Ereignisse dazu geführt, dass die heiße Phase des US-Kongresswahlkampfs früher begonnen hat als gewöhnlich: Tesla-Milliardär Elon Musk will (vielleicht) Twitter kaufen; der Kapitalmanager und Schriftsteller J.D. Vance wird in Ohio Kandidat der Republikaner für einen Senatssitz; und ein kürzlich geleakter Entwurf des Obersten Gerichtshofs lässt darauf schließen, dass das bundesweite Recht auf Abtreibung schon bald fallen könnte. Gemeinsamer Nenner dieser drei Entwicklungen – jedenfalls was ihre politischen Ursachen und Konsequenzen betrifft – ist einmal mehr Donald Trump. Als Kultur- und Wahlkämpfer hat er genauso zur gesellschaftlichen und politischen Relevanz von Twitter beigetragen wie zum Aufstieg seines ehemaligen Kritikers J.D. Vance. Und als Präsident hat er mit der hart umkämpften Ernennung von drei erzkonservativen Richterinnen und Richtern die von Abtreibungsgegnern seit Jahrzehnten erhoffte konservative Mehrheit am Obersten Gerichtshof hergestellt, die wohl das Abtreibungsurteil von 1973 im Fall Roe vs. Wade kippen wird.

Nun ist in den USA eigentlich permanent Wahlkampf, insbesondere seit Demokraten und Republikaner kaum noch kompromissfähig sind. Insofern kann man vielleicht nicht von einem Paukenschlag sprechen, aber in der Summe sind die drei Entwicklungen durchaus bemerkenswert – und kein gutes Omen für die politische Kultur der USA.

Juni 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Vom Proletariat zum Pöbel: Das neue reaktionäre Subjekt

von Micha Brumlik

Gewiss, es waren keineswegs nur Mitglieder der US-amerikanischen weißen Arbeiterklasse, die Donald Trump an die Macht gebracht haben. Und doch waren es auch und nicht zuletzt eben jene Arbeiter und Arbeitslosen – und genau hier liegt das eigentliche Erschrecken für die Linke.