Ausgabe Juli 2022

Friedhofswärter Höcke

Björn Höcke bei einer Wahlkampfkundgebung der AfD in Magdeburg, 12.9.2017 (IMAGO/Christian Mang)

Bild: Björn Höcke bei einer Wahlkampfkundgebung der AfD in Magdeburg, 12.9.2017 (IMAGO/Christian Mang)

Am Ende hat er es doch noch geschafft: Jahrelang versuchte Jörg Meuthen, die bürgerliche Mitte in der bösartigen „rot-grün-versifften Republik“ (O-Ton Meuthen) zu erobern und wurde darüber mit seiner AfD doch immer nur rechtsradikaler. Doch nun ist es vollbracht: Der Ex-AfD-Chef ist tatsächlich im „Zentrum“ angelangt, nämlich bei der „Zentrumspartei“.

Doch Meuthen wäre nicht Meuthen, wenn er sich dafür – wie noch seine beiden ebenfalls gescheiterten Vorgänger Bernd Lucke und Frauke Petry – der Mühe einer neuen Parteigründung unterzogen hätte. Nein, der stets bequeme Genussmensch, der auch als Ex-AfDler natürlich noch immer gerne sein stattliches Salär als EU-Parlamentarier einstreicht, sattelt einfach bei der einst wichtigen, aber in Weimar kläglich gescheiterten Traditionsformation des deutschen Katholizismus auf, die heute über kaum hundert Mitglieder verfügt und längst auf dem Friedhof der irrelevanten Parteien ruht.

Meuthens frisch gewählte Nachfolgerin Alice Weidel ließ es sich denn auch nicht nehmen, ihm auf ihre bekannt charmante Art ein herzliches Lebewohl hinterherzurufen. Für seine Pressekonferenz habe Meuthen einen teuren Raum in der Bundespressekonferenz angemietet, so Weidel, dabei hätte „ein Beichtstuhl auf einem Friedhof ausgereicht“. Gut gebrüllt, Löwin, möchte man meinen.

Juli 2022

Sie haben etwa 35% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 65% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema Rechtsradikalismus

Marine Le Pen: Die gefesselte Kandidatin?

von Steffen Vogel

Viele Beobachter hatten Marine Le Pen schon abgeschrieben, manche Umfrageinstitute erhoben nicht einmal mehr Zustimmungswerte für sie. Nachdem sie wegen der systematischen Unterschlagung von EU-Geldern mit einer fünfjährigen Unwählbarkeit belegt worden war, schien die politische Karriere der Rechtsextremen beendet.

Polen: Rechtes Comeback auf Kosten der Ukraine?

von Ignaz Szlacheta

Präsident Karol Nawrockis konfrontativer Amtsstil sorgt in Polen regelmäßig für Schlagzeilen. In weniger als einem Jahr blockierte der Präsident mittels Veto 37 Gesetzesvorhaben der Regierung unter Premierminister Donald Tusk – ein neuer Rekord.

Brasilien: Der Kandidat und die Kartelle

von Ralf Willinger

Ende Oktober vergangenen Jahres starben bei einer Polizeioperation in zwei Armenvierteln der Sechs-Millionen-Metropole Rio de Janeiro über 120 Menschen, darunter vier Polizisten – es war der bis dato tödlichste Polizeieinsatz in der Geschichte Brasiliens.