Ausgabe November 2022

Rumänien: Frontstaat im Ukrainekrieg

Der rumänische Präsident Klaus Johannis und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen in Kiew, 16.6.2022 (IMAGO/ZUMA Wire)

Bild: Der rumänische Präsident Klaus Johannis und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen in Kiew, 16.6.2022 (IMAGO/ZUMA Wire)

Der Ukrainekrieg hat in Europa massive Kollateraleffekte: So gewinnt der östliche Balkan strategisch massiv an Bedeutung. Insbesondere Rumänien und seine ehemalige Provinz Moldawien, die heutige Republik Moldau, geraten als unmittelbare Anrainerstaaten der Ukraine ins Fadenkreuz geopolitischer Interessen und kriegerischer Auseinandersetzungen. Das Nato- und EU-Mitglied Rumänien verfügt über einen Küstenabschnitt entlang des strategisch wichtigen Schwarzen Meeres und eine rund 600 Kilometer lange Grenze zur Ukraine. Die Republik Moldau wiederum droht als krisengeschüttelter Pufferstaat, dessen separatistische Provinz Transnistrien jederzeit dem Zugriff der am Fluss Dnister gelegenen 14. russischen Gardearmee ausgesetzt ist, in den Krieg hineingezogen zu werden.

Das aber liegt weder im Interesse Rumäniens noch der EU. Von daher ist die EU-Beitrittsperspektive für Moldau und die Ukraine, die der Europäische Rat im Juni beschlossen hat, womöglich mehr als ein symbolischer Akt. Schließlich markiert der russische Angriff auf die Ukraine weniger eine „Zeitenwende“, sondern gehört – zusammen mit der Implosion des Sowjetkommunismus ab 1990 – zur größten Zäsur der europäischen Nachkriegsgeschichte seit 1945.

Auf dem Spiel steht dabei nicht nur die Existenz souveräner Staaten, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union.

»Blätter«-Ausgabe 11/2022

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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