Ausgabe Juni 2023

Putinisten aller Parteien – vereinigt Euch!

v.l.n.r.: Klaus Ernst, DIE LINKE (IMAGO / photothek), Gerhard Schröder, SPD (IMAGO / photothek), Tino Chrupalla, AfD (IMAGO / Sven Simon), Collage: Blätter für deutsche und internationale Politik

Bild: v.l.n.r.: Klaus Ernst, DIE LINKE (IMAGO / photothek), Gerhard Schröder, SPD (IMAGO / photothek), Tino Chrupalla, AfD (IMAGO / Sven Simon), Collage: Blätter für deutsche und internationale Politik

Es war schon ein starkes Stück, als die „Washington Post“ Ende April berichtete, Moskau wolle in Deutschland eine prorussische Querfront aus AfD und Sahra Wagenknecht schmieden, um so die deutsche Solidarität mit der Ukraine zu schwächen. Die AfD solle mit der linken Ikone zu einer neuen Partei der „deutschen Einheit“ verschmelzen, um die Beliebtheit der Rechtspopulisten zu steigern und so Mehrheiten bei künftigen Wahlen zu erringen. Auf diese Weise könne es gelingen, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben.

Der Widerspruch erfolgte prompt: Von derartigen Plänen habe er „noch nie etwas gehört“, so ein betont empörter AfD-Chef Tino Chrupalla. Es handele sich um eine „Räuberpistole, die der Diskreditierung der Friedensbewegung dient“.

Tatsächlich hatte die „Washington Post“ nur über Unterlagen aus dem Kreml berichtet (aus der Zeit vom Juli bis November 2022), die Treffen zwischen Kreml-Vertretern und russischen Strategen dokumentieren. Von direkten Kontakten zwischen den russischen Strategen und deutschen Politikern war in besagtem Artikel nicht die Rede.

Doch offensichtlich erschien dem selbsternannten Friedenskämpfer der AfD diese Räuberpistole durchaus attraktiv. Denn wie es der Zufall wollte, fand sich Chrupalla keine drei Woche später in der Berliner Dependance seines potentiellen Auftraggebers ein, nämlich in der russischen Botschaft. Und das ausgerechnet am 9.

»Blätter«-Ausgabe 6/2023

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema