Ausgabe September 2023

Im Überlebenskampf: Die Kurden nach Erdoğans Sieg

Ein halb abgerissenes Wahlplakat von AKP-Chef Recep Tayyip Erdoğan in Diyarbakır, wo überwiegend Kurd:innen leben, 25.5.2023 (IMAGO / ZUMA Wire / Mehmet Masum Suer)

Bild: Ein halb abgerissenes Wahlplakat von AKP-Chef Recep Tayyip Erdoğan in Diyarbakır, wo überwiegend Kurd:innen leben, 25.5.2023 (IMAGO / ZUMA Wire / Mehmet Masum Suer)

Es waren wenige Wochen, in denen politische Exilant:innen die leise Hoffnung hegten, ihre Familien in der Türkei wieder besuchen zu können, in denen vorsichtig ausgesprochen wurde, dass die Tausenden politischen Gefangenen eine Chance auf Freilassung hätten und es wieder möglich sein könnte, sich ohne Repression für Frauenrechte und Minderheiten einzusetzen. Kurz schien es vorstellbar, der Drohnenkrieg gegen Nordostsyrien könne enden und Hunderttausende kurdische Flüchtlinge könnten in ein freies Afrin zurückkehren.

All diese Hoffnungen wurden gespeist durch den Blick auf die türkischen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 14. Mai. Die Voraussetzungen für einen politischen Wandel schienen infolge des Jahrhunderterdbebens, des staatlichen Versagens bei der Nothilfe und der schlechten Wirtschaftslage günstig. Eine breite Opposition hatte sich auf den CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu als einzigen Präsidentschaftskandidaten geeinigt, obschon dieser bei weitem kein Wunschkandidat aller war. Doch der kurze Moment der Hoffnung ist großer Enttäuschung gewichen. Überdeutlich zeigt sich das gerade auch in den kurdischen Gebieten im Osten der Türkei und in Nordostsyrien, die seit Jahren unter Repressionen und Angriffen des türkischen Militärs leiden.

Angesichts dessen war gerade in Nordostsyrien, im Gebiet der autonomen kurdischen Selbstverwaltung, die Hoffnung auf einen politischen Wechsel groß.

»Blätter«-Ausgabe 9/2023

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.