Ausgabe Juni 2025

Aufstieg des Endzeitfaschismus

Die Politik mit dem Untergang – und wie wir sie noch stoppen können

Symbolbild: Ein Stiefel tritt auf einen Erdball (IMAGO / blickwinkel)

Bild: Symbolbild: Ein Stiefel tritt auf einen Erdball (IMAGO / blickwinkel)

Die Bewegung für unternehmensgeführte Stadtstaaten kann ihr Glück kaum fassen. Seit Jahren propagiert sie die extreme Vorstellung, dass wohlhabende, steuerscheue Menschen ihre eigenen Hightech-Lehen gründen sollten, seien es neue Länder auf künstlichen Inseln in internationalen Gewässern („Seasteading“) oder wirtschaftsfreundliche „Freiheitsstädte“ wie Próspera, eine verherrlichte Gated Community in Kombination mit einem Wildwest-Spa auf einer honduranischen Insel.

Doch trotz der Unterstützung durch die einflussreichen Risikokapitalgeber Peter Thiel und Marc Andreessen sind ihre extremen libertären Träume immer wieder gescheitert: Es hat sich herausgestellt, dass die meisten reichen Leute, die etwas auf sich halten, nicht auf schwimmenden Ölplattformen leben wollen, selbst wenn das niedrigere Steuern bedeutet, und Próspera mag zwar nett sein für einen Urlaub und ein paar körperliche „Upgrades“, aber sein außerstaatlicher Status wird derzeit vor Gericht angefochten.

Doch nun rennt dieses einst randständige Netzwerk von Business-Sezessionisten plötzlich im Zentrum der Weltmacht offene Türen ein. Ein erstes Anzeichen dafür, dass sich das Blatt wendet, kam 2023: Donald Trump versprach im Wahlkampf scheinbar aus dem Nichts heraus, einen Wettbewerb abzuhalten, der zur Gründung von zehn „freien Städten“ auf bundesstaatlichem Land führen werde.

»Blätter«-Ausgabe 6/2025

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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