Ausgabe Oktober 2025

Eine mörderische Sackgasse

16 Thesen zum Gazakrieg und der deutschen Israelpolitik

Menschen fliehen aufgrund verstärkter israelischer Angriffe aus dem Norden Gazas, 16.9.2025 (IMAGO / Anadolu Agency)

Bild: Menschen fliehen aufgrund verstärkter israelischer Angriffe aus dem Norden Gazas, 16.9.2025 (IMAGO / Anadolu Agency)

Wer seit dem 7. Oktober 2023 von Deutschland aus die Nachrichten zum Nahen Osten fortlaufend verfolgt, der steht vor einem quälenden Problem. Die Tag für Tag eintreffenden Informationen, Bilder und Videosequenzen sind so unerträglich geworden, dass man nahezu unausweichlich in eine moralische Zwangslage zu geraten droht. Einerseits versucht man wegen des von der Hamas verübten Massakers an jenem, dem israelischen Volk und seinem Staat nach 1945 gegebenen Solidaritätsversprechen festzuhalten, andererseits aber erlebt man, dass im Zuge des Gazakrieges fortwährend Dinge geschehen, die damit nur schwer oder gar nicht mehr in Einklang zu bringen sind. Ein anfängliches Unbehagen ist immer mehr in Kopfschütteln und Verwunderung, in Klagen und Vorwürfe bis hin zu einer sich verfestigenden Haltung der Empörung umgeschlagen. Dieser Prozess der Ernüchterung, der immer mehr zu einer Abkehr von der bislang geübten Praxis der Israelsolidarität zu kippen droht, betrifft keineswegs nur unser eigenes Land. Die Anzahl verbündeter europäischer Staaten, die diese quälende Erfahrung mehr oder weniger teilen und deshalb zuletzt dazu übergegangen sind, mit Solidaritätserklärungen gegenüber den Palästinensern aufzuwarten, hat stark zugenommen. Deutschland aber scheint demgegenüber noch ein ganz besonderes Problem zu haben. Politik und Öffentlichkeit sind offenbar in eine Zwickmühle geraten.

»Blätter«-Ausgabe 10/2025

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (5.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Druckausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema