Bild: Wirksame öffentlich-private Partnerschaften beinhalten Regelungen, die sicherstellen, dass öffentliche Unterstützung auch einen öffentlichen Mehrwert schafft. Hier zu sehen: Bauarbeiten für ein Windrad (IMAGO / Jochen Tack)
Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet. Gleichzeitig erpressen sie die europäischen Länder mit ihrer Forderung nach Grönland. Die Diskrepanz zwischen dem Aufruf des Forums zum Dialog und der Aggression der USA – zwischen den Teilnehmern in Davos und der sich heute abzeichnenden globalen Unordnung – ist, gelinde gesagt, erschütternd.
Die Intervention der USA in Lateinamerika mag neue Formen annehmen, aber die Inbesitznahme der Ölinfrastruktur erinnert an frühere Ressourcenraubzüge. Während die Teilnehmer in Davos sich an den Nuancen des Stakeholder-Kapitalismus abarbeiten, werden die alten Regeln der Machtpolitik und der Abschöpfung von Ressourcen erneut rigoros durchgesetzt. Der niederländische Historiker Rutger Bregman hat das Spektakel von Davos 2019 mit chirurgischer Präzision auf seinen Kern reduziert: »Steuern, Steuern, Steuern. Alles andere ist Bullshit.« Mit diesen wenigen Worten deckte er die Kluft zwischen Rhetorik und Realität auf, zwischen dem Gerede von gemeinsamem Wohlstand und der Praxis der Vermögenskonzentration.
Natürlich sollten Unternehmen fair ihre Steuern zahlen.