Ausgabe April 2026

Zerstörung ohne Plan

Trumps Irankrieg und die Illusion eines neuen Nahen Ostens

Die Zerstörung nach den Luftangriffen auf Teheran, 12.3.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)

Bild: Die Zerstörung nach den Luftangriffen auf Teheran, 12.3.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)

Viele US-Präsidenten haben aus gutem Grund darauf verzichtet, mit einem Angriff auf das iranische Regime die gesamte Region neu ordnen zu wollen. Nicht so Donald Trump. Doch die von ihm befohlenen Angriffe und Irans Gegenschläge sorgen für gefährliche globale Erschütterungen. So zeitigt der von Trump entfesselte Krieg bereits jetzt unkalkulierbare Folgen, die auch den USA über den Kopf zu wachsen drohen.

Donald Trump wollte unbedingt schaffen, was keinem US-Präsidenten vor ihm gelungen ist. Deshalb hat er der Diplomatie eine Absage erteilt und den Krieg mit Iran begonnen. Doch die Islamische Republik weiß, dass sie durch diesen Angriff in ihrer Existenz bedroht ist, und hat sofort mit tödlichen Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, US-Stützpunkte im Nahen Osten sowie Ziele in den Golfstaaten und darüber hinaus begonnen. Wir haben es nun mit einem regionalen Krieg mit globalen Auswirkungen zu tun, der die Öl- und Finanzmärkte, Lieferketten, den Seehandel und den internationalen Flugverkehr beeinträchtigt. Die Gefahr für US-Amerikaner und die Zahl der iranischen Todesopfer steigen Stunde um Stunde. Diese Risiken konnte man lange vor Ausbruch des Krieges vorhersehen, und wohl auch deshalb hat kein Präsident vor Trump die USA auf diesen gefährlichen Kurs geführt.

Wie dieser Krieg enden wird, ist ungewiss. Aber sobald er endet, müssen sich die USA mit seinen Folgen auseinandersetzen.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (12.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Libanon: Letzte Hoffnung Trump?

von Kristian Brakel

Seit Anfang März tobt im Libanon die x-te Auflage des jahrzehntealten Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah. Während die Weltöffentlichkeit gebannt verfolgt, wie Donald Trump die militärische Projektionskraft der USA am Golf verspielt, erregt der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah weit weniger Aufmerksamkeit.

Bruch und Kontinuität

von Wolfgang Kaleck

Mit ihren Interventionen in Venezuela und Iran ist die zweite Trump-Regierung zu einem Frontalangriff auf das Völkerrecht übergegangen – und im Inneren der USA höhlt sie den Rechtsstaat immer weiter aus. Das oft opportunistische Verhalten europäischer Regierungen gegenüber Trump schwächt die internationale Ordnung zusätzlich.