Ausgabe Juli 2026

Digitale Gewalt: Ein Angriff auf die Demokratie

Ingrid Brodnig: Feindbild Frau, Cover: Brandstätter Verlag

Bild: Ingrid Brodnig: Feindbild Frau, Cover: Brandstätter Verlag

Stellen wir uns folgende Situation vor: Eine Frau spricht in der Büroküche mit Kolleg:innen darüber, dass es in diesem Jahr bereits sechs Femizide gegeben habe. Ein Kollege tritt hinzu und sagt: »Und du bist die Siebte.« Oder man stelle sich vor, eine Frau muss sich sagen lassen, ihre sexuelle Orientierung sei »geisteskrank« und »abnormal«. Würden solche Äußerungen obendrein auf Plakaten stehen oder als Anzeigen in überregionalen Zeitungen erscheinen, wären sie schwerlich als harmlose Meinungsäußerung abzutun. Sie wären verstörend, bedrohlich und verletzend.

Beide Äußerungen sind gefallen, allerdings in einem anderen Kontext, im digitalen Raum. Die Beispiele stammen aus Ingrid Brodnigs neuem Buch »Feindbild Frau« und verweisen auf ein zentrales Problem: Was im analogen Raum als massive Grenzüberschreitung gelten würde, wird im digitalen Raum allzu oft verharmlost, relativiert oder rechtlich nicht hinreichend erfasst. Im ersten Fall soll der betroffenen Frau von einem Polizisten entgegnet worden sein, es handle sich lediglich um einen derben Scherz. Im zweiten Fall hat Meta Anfang 2025 seine Plattformregeln zu »hasserfülltem Verhalten« so verändert, dass solche und ähnliche abwertende Äußerungen nicht mehr unter regulierungsbedürftige Inhalte fallen.

»Blätter«-Ausgabe 7/2026

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Aktuelle Ausgabe Juli 2026

In der Juli-Ausgabe zeigt Jan Niklas Reiche auf, was die demokratischen Parteien bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt noch tun müssen, um eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Thomas Assheuer seziert die essayistischen Elaborate von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und legt offen, worum es ihm im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienst eines dezidiert antiliberalen Christentums. Klaus Lederer beschreibt, wie eine autoritäre Internationale gegen queere Menschen und die von ihnen erkämpften Rechte mobil macht. Jan Schlemermeyer plädiert für eine antifaschistische Sicherheitspolitik, die Demokratie als Kernanliegen begreift. Winfried Thaa erinnert an das Gründungsereignis der neuzeitlichen Demokratie – die Amerikanische Revolution und Verfassungsgebung vor 250 Jahren –, die heute durch Donald Trump ausgerechnet am Ort ihrer Entstehung zerstört zu werden droht. Stefan Messingschlager erläutert, was die bilaterale Stabilisierung zwischen Trump und Xi Jinping für Europa bedeutet. Paul Starzmann ergründet, wie weit Wladimir Putins Einfluss in Afrika tatsächlich reicht. Und Friederike Otto erklärt mit Jürgen Habermas, warum die Demokratie zur Bekämpfung der Klimakrise unabdingbar ist. 

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