George Orwell, Maksym Butkewytsch und die »unnormalen Allianzen«
Bild: Maksym Butkewytsch ist ukrainischer Journalist und Menschenrechtsaktivist. Am ersten Tag der russischen Vollinvasion, dem 24. Februar 2022, meldete Butkewytsch sich freiwillig zur Armee. (Foto vom 1.10.2025, IMAGO / CTK Photo)
In der Ukraine kämpfen seit dem Februar 2022 auch Linkslibertäre, Feministinnen und Antimilitaristen im Militär. Verraten sie damit ihre Überzeugungen – oder ist ihr Handeln nur konsequent? Auf welche historischen Vorbilder können sie sich berufen?
Außergewöhnliche Zeiten bringen überraschende Bündnisse hervor: Der Philosoph Albert Camus, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als erklärter Pazifist noch unter der französischen Pressezensur zu leiden hatte, schloss sich 1943 Combat an – einer bewaffneten Gruppe der Résistance.1 Der Antiimperialist George Orwell war da schon Sergeant der Home Guard, einer britischen Freiwilligenmiliz. Freiwillig verpflichtete sich auch Herbert Marcuse. Der Exilant aus den Reihen der Frankfurter Schule, der 1918 aufseiten der Berliner Soldatenräte an der Novemberrevolution teilgenommen hatte und 1968 einer der gefragtesten Revolutionstheoretiker werden sollte, schrieb ab 1943 Deutschlandanalysen für den OSS – den Vorläufer des CIA. Auffällig an dieser »zugleich spannendsten und irritierendsten Phase in der Geschichte der Kritischen Theorie« ist, so der Soziologe Axel Honneth, dass Marcuse und seine Kollegen auch während ihrer Zeit im OSS »blieben, was sie zu Beginn ihres Exils bereits waren: an der marxistischen Tradition orientierte jüdische Linksintellektuelle«.