Der Vormarsch der radikal-sunnitisch-islamistischen Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien“ (ISIS) treibt nicht nur den bereits existierenden Zerfallsprozess des Irak und die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten voran, sondern gefährdet die gesamte nahöstliche Region. Er könnte einen Flächenbrand und damit einen regionalen Krieg im Nahen Osten auslösen. Seit Jahresbeginn kontrolliert ISIS die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad. Nahezu ungehindert nahm sie die zweitgrößte irakische Stadt Mossul und weitere Städte ein und attackierte die größte Ölraffinerie des Landes in Baidschi, rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad. Nun versucht sie mit aller Gewalt, zur Hauptstadt vorzudringen. Unterstützt werden die Islamisten dabei von anderen sunnitischen Gruppen, darunter Anhänger des ehemaligen Baath-Regimes von Saddam Hussein. Zwar gelang es dem irakischen Militär, den Angriff der ISIS auf Bagdad vorerst aufzuhalten. Doch die jüngsten Eroberungen bringen ISIS ihrem Ziel näher, die von ihr kontrollierten Gebiete im Irak und in Syrien miteinander zu verbinden. Bereits Ende Juni rief ISIS hier ein islamisches Kalifat aus, zu dessen Oberhaupt sie ihren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ernannte. Zugleich änderte sie ihren Namen in Islamischer Staat (IS).
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.