Ausgabe August 2014

Das andere Lateinamerika

Wenn sich bundesdeutsche Medien oder Publikationen mit aktuellen politischen Entwicklungen in Lateinamerika beschäftigen, wird früher oder später der Begriff „Linksruck“ bemüht. Tatsächlich kamen in den vergangenen Jahren in immer mehr Ländern des Subkontinents Politiker und Parteien des linken Spektrums an die Macht. Doch eine Differenzierung wird hierzulande nur selten vorgenommen. An einem monographischen Gesamtüberblick über diesen kontinentalen politischen Trend fehlte es in der deutschen Literatur bislang gänzlich. Den hat jetzt Dieter Boris vorgelegt, emeritierter Soziologie-Professor der Universität Marburg und jahrzehntelanger Lateinamerika-Kenner.

Boris’ Buch „Bolívars Erben. Linksregierungen in Lateinamerika“ ist ein Plädoyer für einen differenzierteren Blick auf den Subkontinent und die dortigen politischen Entwicklungen: In einigen Ländern wurde der Präsidentenwechsel durch teils gewaltsame Massenbewegungen erzwungen, wie in Argentinien 2001 oder in Ecuador im Jahr 2000. Andernorts, wie beispielsweise in Bolivien oder Venezuela, gelangten Linkspolitiker mittels regulärer Wahlen an die Macht. Das Spektrum auf dem Kontinent reicht von einem „sozialstaatlich gezügelten Kapitalismus“ in Brasilien oder Uruguay bis hin zu grundlegenden Umwälzungen, die einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ anstreben.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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