Ausgabe August 2014

Das andere Lateinamerika

Wenn sich bundesdeutsche Medien oder Publikationen mit aktuellen politischen Entwicklungen in Lateinamerika beschäftigen, wird früher oder später der Begriff „Linksruck“ bemüht. Tatsächlich kamen in den vergangenen Jahren in immer mehr Ländern des Subkontinents Politiker und Parteien des linken Spektrums an die Macht. Doch eine Differenzierung wird hierzulande nur selten vorgenommen. An einem monographischen Gesamtüberblick über diesen kontinentalen politischen Trend fehlte es in der deutschen Literatur bislang gänzlich. Den hat jetzt Dieter Boris vorgelegt, emeritierter Soziologie-Professor der Universität Marburg und jahrzehntelanger Lateinamerika-Kenner.

Boris’ Buch „Bolívars Erben. Linksregierungen in Lateinamerika“ ist ein Plädoyer für einen differenzierteren Blick auf den Subkontinent und die dortigen politischen Entwicklungen: In einigen Ländern wurde der Präsidentenwechsel durch teils gewaltsame Massenbewegungen erzwungen, wie in Argentinien 2001 oder in Ecuador im Jahr 2000. Andernorts, wie beispielsweise in Bolivien oder Venezuela, gelangten Linkspolitiker mittels regulärer Wahlen an die Macht. Das Spektrum auf dem Kontinent reicht von einem „sozialstaatlich gezügelten Kapitalismus“ in Brasilien oder Uruguay bis hin zu grundlegenden Umwälzungen, die einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ anstreben.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.