Ausgabe August 2014

Putins Poker

Es liegt nicht einmal ein halbes Jahr zurück, da bejubelten die Menschen auf dem Maidan den Erfolg ihrer monatelangen Demonstrationen: Ende Februar setzte sich Präsident Wiktor Janukowitsch nach Russland ab, die Zeichen standen auf demokratische Erneuerung, eine Übergangsregierung wurde eingesetzt. Doch die Freude währte nur kurz: Denn seither bestimmen wachsende Unruhen im Osten der Ukraine das Bild. Inzwischen droht das Land vollends im Bürgerkrieg zu versinken. Anfang Juli brach der neu gewählte Präsident Petro Poroschenko unter dem Druck seiner Wähler und des Militärs eine zehntägige Waffenruhe ab. Die Schuld dafür gab er den prorussischen Separatisten, die immer wieder gegen die Waffenruhe verstoßen hatten. Daraufhin flammten die Gefechte im Osten des Landes erneut auf. Zwar schien sich nach der Rückeroberung von Lugansk durch die ukrainischen Regierungstruppen (mit zahlreichen Toten vor allem auf Seiten der Separatisten) eine kleine Chance zur Deeskalation zu bieten, als auch der russische Präsident Wladimir Putin begann, rhetorisch abzurüsten. Doch inzwischen demonstrieren beide Seiten wieder Härte: Nachdem die ukrainische Armee die Separatistenhochburg Slawjansk zurückerobert hatte, kündigten die Aufständischen bereits eine neue Offensive an, während Russland das Vorgehen der Regierung verurteilte.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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