Ausgabe Januar 2014

1914: Der deutsche Wille zum Zukunftskrieg

Am 1. August jährte sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Eines Krieges, an dem sich am Ende 40 Nationen beteiligten und in dem etwa 70 Millionen Menschen unter Waffen standen. Eines Krieges, der das Leben von etwa 17 Millionen Menschen forderte.[1] Eines Krieges schließlich, den der amerikanische Historiker und Diplomat George F. Kennan zu Recht als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet hat, weil er mit dem Friedensschluss von Versailles nicht wirklich beendet war, sondern sich in den Köpfen fortsetzte und weil von ihm aus direkte Kontinuitätslinien hinführen bis zu Hitler und zum Zweiten Weltkrieg.

Seit dem ersten großen Historikerstreit in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, ausgelöst zu Beginn der 60er Jahre durch die epochalen Forschungen des Hamburger Historikers Fritz Fischer, wissen wir, dass Deutschland den Krieg wollte, um seine Machtposition in Europa auszubauen und seinen Anspruch auf Weltgeltung durchzusetzen. Aber aus moralischen Gründen und aus Angst, als barbarischer Kriegstreiber dazustehen, tat die deutsche Reichsleitung alles, um öffentlich nicht als Verursacher in Verdacht zu geraten. Stattdessen suchte sie dringend nach einem Vorwand, um den Krieg zu bekommen, und zwar nicht irgendwann, sondern bei dem 1914 noch für Deutschland vorteilhaften Rüstungsstand.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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