Ausgabe Oktober 2014

Auschwitz als Waffe

In der Septemberausgabe der »Blätter« analysierten Micha Brumlik und András Bruck die neue »Qualität« des Antisemitismus, die die Debatte um den jüngsten Gazakrieg befördert hat. Der Sozialpsychologe Manfred Clemenz kritisiert dagegen, dass sowohl Vertreter der proisraelischen als auch der israelkritischen Seite allzu leichtfertig zum Auschwitzvergleich greifen – und damit zu rhetorischen Mitteln totalitärer Propaganda.

Militärisch scheint der Gazakrieg tatsächlich ein vorläufiges Ende gefunden zu haben. Doch wo Trauer angemessen wäre, wird der Krieg rhetorisch weitergeführt. Und inzwischen hat die ideologische Vereinnahmung des Gazakriegs höchst skurrile Formen angenommen. Die argumentative Hilflosigkeit der Kombattanten zeigt sich darin, dass beide Seiten mittlerweile die gleiche Waffe als Argument benutzen: Auschwitz. Oder elaborierter formuliert: Beide Seiten betreiben einen Missbrauch der Geschichte.

In der „New York Times“ veröffentlichte das International Jewish Anti-Zionist Network Ende August eine Anzeige, in der 327 jüdische Überlebende des Holocausts (bzw. deren Nachkommen) gegen das „Massaker an den Palästinensern in Gaza“ protestieren und die westlichen Staaten ob ihres Schweigens anprangern: „Genozid beginnt mit dem Schweigen.“[1] Das ist ein deutlicher Verweis auf Auschwitz.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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