Genderfrust bei Plasberg | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Genderfrust bei Plasberg

von Annett Mängel

Wusste man es nicht schon immer: „Gender Gaga“ ist der richtige Name für den Irrsinn, der gegenwärtig in deutschen Behörden betrieben wird – jedenfalls wenn es nach Birgit Kelle geht. „Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will“, so der Untertitel des neuen Buches der erzkonservativen Publizistin. So weit, so vorhersehbar, wäre da nicht ARD-Moderator Frank Plasberg, der Kelle bei der Buch-Promotion allzu gerne behilflich sein wollte – und zwar gar nicht hart und schon gar nicht fair. Angefangen mit dem albernen Titel „Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?“ überbot sich der Moderator darin, „die“ Genderforschung vorzuführen und ihr jeglichen Sinn abzusprechen.

Die (hört, hört) 170 weiblich besetzten Genderprofessuren von insgesamt 180 (will sagen: um „echte“ Gleichberechtigung kann es dabei ja wohl nicht gehen) hätten sich etwa mit Waldspaziergängen aus männlicher und weiblicher Perspektive beschäftigt. Folge daraus nun, dass auf Bildern nicht mehr nur brunftende Hirsche, sondern auch Hirschkühe zu sehen seien? Alles Quatsch und gänzlich unnötig, waren sich denn auch Kelle, die turtelnde Schauspielerin Sophia Thomalla und der FDP-„Klartexter“ Wolfgang Kubicki mit Plasberg einig: „Männer und Frauen sind nun mal von Geburt an unterschiedlich. Und das darf gerne auch so bleiben“ (Kelle). Geschlechterzuschreibungen sind demnach ebenso wenig ein Problem wie die Tatsache, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Schließlich hätten Männer ja auch mehr Erfahrung, weil sie in der Regel keine lange Kinderpause einlegen. Kubicki stritt sogar eine unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern rundherum ab. Das, so der brave Jurist, sei schließlich verboten. Und „wer als Frau wirklich gut ist“, so Kubicki mit Verweis auf seine wohlgeratenen Töchter, „braucht keine Gender-Politik und setzt sich stattdessen mit echter Leistung durch“.

Nun allerdings dürfte seine Kanzlei viel zu tun bekommen. Bot er doch schon in der Sendung all jenen Frauen seine Dienste an, die für gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Prompt offenbarte die Firma Birkenstock, dass sie Frauen systematisch schlechter eingruppiert. Und damit ist sie nicht allein: Schließlich verdienen Frauen noch immer sieben Prozent weniger als Männer – und zwar „netto“, sprich: sogar wenn man Teilzeitarbeit, unterschiedliche Leistungsstufen und weniger Arbeitsjahre anrechnet.

Für eine ernsthafte Debatte der Geschlechterrollen blieb, so sehr sich die „Gender-Verteidiger“ Anne Wizorek und Anton Hofreiter bemühten, kein Raum. So war es der OECD vorbehalten, wenige Tage später ganz offiziell festzustellen, dass Geschlechterzuschreibungen ein strukturelles Problem mit gravierenden Folgen sind: Viele Mädchen könnten genauso gut rechnen wie Jungs; doch nur, wenn sie selbst sich das auch zutrauen und es ihnen von ihrem Umfeld zugetraut wird, schlägt sich dies in ihren Ergebnissen nieder. Vielleicht nimmt die Plasberg-Redaktion die Studie ja wenigstens nachträglich zur Kenntnis. Ansonsten bleibt nur ein Positives: „Zum Glück“ sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten verpflichtet, ihre mit Gebührengeldern produzierten Sendungen nach wenigen Wochen dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Wer hätte gedacht, dass einen diese völlig sinnlose Regelung einmal frohlocken lassen würde.


Themen: Feminismus und Medien

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