Ausgabe September 2015

Erdogans Zweifrontenkrieg

Seit dem 24. Juli fliegt die türkische Armee Luftangriffe auf Stützpunkte der PKK im nordirakischen Kandil sowie gegen Ziele des IS im Norden Syriens. Damit verfolgen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) sowohl innen- als auch außenpolitische Interessen. Zum einen können die militärischen Angriffe nicht losgelöst von der derzeitigen geopolitischen Lage in Syrien betrachtet werden. Und zum anderen macht die türkische Offensive mehr als deutlich, dass die Regierung in Ankara eine Konsolidierung der kurdischen Bewegung als bedrohlich für den eigenen Machterhalt ansieht. Diese hatte bei den jüngsten Parlamentswahlen im Juni mit der HDP eine Kraft ins Rennen geschickt, deren Erfolg schließlich eine absolute AKP-Mehrheit verhinderte.

Schon im Laufe des Wahlabends am 7. Juni war immer deutlicher geworden, dass die AKP die angepeilte absolute Mehrheit im Parlament verfehlen würde. Angesichts dessen fragten sich Beobachter, ob der Parteivorsitzende Ahmet Davutoglu, um seinen Machtwillen zu demonstrieren, eine „Balkonrede“ (balkon konus¸ması) halten oder ob er einen bescheideneren Rahmen vorziehen würde. Davutoglu entschied sich – wohl auch auf Druck von Präsident Erdogan – für eine Balkonrede.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die geschürte Migrationspanik

von Naika Foroutan

Zwei islamistische Anschläge in Deutschland – der tödliche Angriff auf einen Polizisten in Mannheim mit sechs zusätzlichen Verletzten am 31. Mai 2024 sowie der Anschlag in Solingen am 23. August 2024, bei dem drei Menschen getötet und acht weitere verletzt wurden – haben das Land stark erschüttert.