Ausgabe April 2016

Wir Sklavenhalter, Teil II

Wie viele Sklaven halten Sie – und wie lange noch?

Lassen Sie mich raten: Als Sie zum ersten Mal die Frage „Wie viele Sklaven halten Sie?“ lasen, haben Sie sie spontan und unwillkürlich metaphorisch verstanden. Oder wie mir ein Manager, zumal ein Supply Manager, vorwurfsvoll sagte: „Ich weiß, dass unsere Lieferanten in Asien unter harten Arbeitsbedingungen leiden. Aber ich halte doch keine Sklaven!“ Ich verstehe seine Empörung. Ich war auch empört, als man mich zum ersten Mal als Sklavenhalter bezeichnete. Die Wahrheit ist jedoch: Das ist keine Metapher, sondern bitterer Ernst! Und diese Erkenntnis ist nur wenige Mausklicks entfernt. Hier einige mit wenig Aufwand erreichbare Daten:

Mit allen Formen der Zwangsarbeit werden nach Schätzung der International Labor Organization jährlich 150 Mrd. US-Dollar verdient. Diese Summe enthält noch nicht einmal die Profite, die mit Menschen erzielt werden, die für Löhne unter dem Existenzminimum arbeiten müssen, ohne von anderen dazu gezwungen zu sein. Fast zwei Drittel davon werden mit Zwangsprostitution erzielt. Auf erzwungene Arbeit in Fabriken und Minen entfallen immerhin noch 40 Milliarden US-Dollar

Man geht davon aus, dass 21 Millionen Männer, Frauen und Kinder in Zwangsarbeit als „moderne Sklaven” gefangen sind – also grob die Bevölkerung von Australien und Neuseeland zusammengenommen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.