Ausgabe März 2016

Scham und Charity

Nachdem sich der Rauch um den Berlinale-Rummel verzogen hat, gilt es, Bilanz zu ziehen. Das aber fällt dieses Mal besonders leicht. Denn der größte Dank gebührt heute einer Organisation, die eigentlich gar nicht dazugehört, wie Berlinale-Chef Dieter Kosslick nicht müde wird zu erklären, nämlich „Cinema for peace“.

Gegründet nach den Anschlägen vom Elften September 2001, veranstaltet dieser „Zusammenschluss von Philanthropen“ große Charity-Events, darunter die alljährliche „Cinema for Peace Gala Berlin“, deren Erlös stets einem guten Zweck zukommt.

Gewiss, mag man sich nun denken, eigentlich kein besonderes Ereignis. Und in der Tat, jedes Großevent kennt heute diese Form des modernen Ablasshandels. Die ganze Party-Meute der A-, B- und C-Promis versammelt sich zu einem guten Zweck, damit man danach so richtig mit gutem Gewissen weiterfeiern kann. Eigentlich eine bessere Motto-Party – aber immer mit dem Anspruch, ungemein politisch und auf der Höhe der Zeit zu sein. Dementsprechend musste das Motto der diesjährigen Sause natürlich die Fluchtkatastrophe sein. Und hier galt offensichtlich die Devise: So groß wie der Schrecken, so groß auch die Schamlosigkeit.

Für die richtige Einstimmung sorgte bereits der unvermeidliche Ai Weiwei.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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