Ausgabe Dezember 2017

Das blaue Wunder

Gibt es Neuwahlen oder nicht? Nicht nur die halbe, noch halbwegs politisierte Republik stellt sich derzeit diese Frage, sondern vor allem das Power-Couple der deutschen Politik: Frauke Petry, Ex-AfD-Chefin, und Marcus Pretzell, Ex-AfD-Chef in Nordrhein-Westfalen – oder kurz PetPret. Die beiden haben das Max Webersche Leitmotiv der „Politik als Beruf“, gewiss leicht pervertiert, in völlig neue Dimensionen gehoben.

Mit ungeheurer Leidenschaft, und natürlich stets mit dem erforderlichen Augenmaß, verwalten sie insgesamt vier Parlamentssitze – Petry den im Bundestag und im Sächsischen Landtag, Pretzell den in Nordrhein-Westfalen und im Europaparlament. Was für eine politische Hingabe! Dass dafür ein gewisses Schmerzensgeld im mittleren sechsstelligen Bereich herausspringt, sollte doch jeder verstehen.
Doch nun droht PetPret Ungemach: Bei Neuwahlen würde Petry die Perle ihres politischen Projekts verlieren, den Sitz im Bundestag. Dann bliebe ihr nur das Mandat im Sächsischen Landtag, wo sie mit vier fraktionslosen Abgeordneten inzwischen die selbsternannte „Blaue Gruppe“ bildet. Eine solche Urgewalt des Politischen wäre damit natürlich völlig unterfordert.
Doch PetPret, ganz kluge politische Unternehmer in eigener Sache, haben natürlich vorgesorgt.

Sie haben etwa 33% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 67% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Kampfplatz Berlin: Die dämonisierte Linkskoalition als Türöffner für die AfD

von Albrecht von Lucke

Wahrscheinlich wird es für immer ein Geheimnis bleiben, was am Abend der Berlin-Wahl am 20. September Issa Remmo, Clan-Chef und zentrale Größe der organisierten Kriminalität in Berlin, veranlasste, auf der Wahlparty der Neuköllner Linkspartei aufzulaufen.

US-Midterms: Das Comeback der Demokraten?

von Thomas Greven

Ein »goldenes Zeitalter« hatte Donald Trump den Amerikanern im Wahlkampf 2024 versprochen. Doch angesichts steigender Lebenshaltungskosten durch seine umstrittene Zollpolitik und einen weithin abgelehnten Irankrieg verfängt die für ihn typische Realitätsverweigerung nicht mehr.