Ausgabe Februar 2017

Weniger Staat wagen

Lateinamerikas Linke vor dem Neubeginn

Lateinamerika hat in den letzten Jahren eine massive Rechtswende erfahren. Ausgehend von Hugo Chávez‘ Tod im März 2013 gerieten die lateinamerikanischen Linksregierungen zunehmend in Bedrängnis. Das lag nicht nur an sinkenden Rohstoffpreisen und einer immer aggressiver auftretenden rechten Opposition. Vielmehr sind sie selbst zuweilen umgeschwenkt und haben sich Autoritarismus und Austeritätspolitik verschrieben, so etwa in Bolivien und Ecuador. Spätestens aber der Wahlsieg des Rechten Mauricio Macri bei der Präsidentschaftswahl in Argentinien 2015 und die Amtsübernahme von Michel Temer in Brasilien durch einen kalten Putsch gegen Dilma Rousseff 2016 haben das Pendel auf dem Subkontinent endgültig nach rechts umschlagen lassen. Der Tod Fidel Castros im letzten November hat diese Entwicklung bloß noch symbolisch besiegelt.[1]

Seither befinden sich die sozialen Bewegungen der Region, die den progressiven Regierungen einst zur Macht verholfen haben, nun in einer Phase der Neuorientierung. Denn die emanzipatorischen Bewegungen in Lateinamerika haben in den letzten 20 Jahren dramatische Veränderungen erlebt. Ihr Kampf gegen den Neoliberalismus in den 1990er Jahren war in vielen Ländern der Region zunächst erfolgreich: Es gelang ihnen etwa, geplante Freihandelsverträge wie das transregionale Abkommen ALCA zu verhindern.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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