Ausgabe Januar 2017

Die neuen Medienmacher

Wie Konzerne Marketing als Journalismus verkaufen

Vor ein paar Jahren noch war Dominik Wichmann Chefredakteur des Wochenmagazins „Stern“. Nun wird Wichmann Chefredakteur beim Mercedes-Stern. Der gelernte Journalist soll nämlich für den schwäbischen Autokonzern ein eigenes Medienhaus aufbauen. Manfred Bissinger wiederum hat sich schon vor längerer Zeit aus dem Journalismus verabschiedet. Früher fungierte der Alt-Linke als Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Woche“. Nach deren Exitus 2002 avancierte er zum Leiter der für Kundenmagazine zuständigen Tochtergesellschaft des Verlags Hoffmann und Campe. Seit drei Jahren leitet er nun seine eigene Agentur namens Bissinger plus, die vor allem digitale Inhalte für Unternehmen liefert.

Zwei prominente Beispiele, zwei Fingerzeige dafür, dass seit geraumer Zeit eine regelrechte Wanderungsbewegung stattfindet, bei der Journalisten von den klassischen Verlagshäusern zu unternehmenseigenen Medien wechseln. Aus der Krisenregion geht es in den vermeintlich sicheren Hafen. Unternehmensmedien boomen – und diese Entwicklung wird für die öffentliche Meinungsbildung nicht ohne Folgen bleiben.

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In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

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