Ausgabe Mai 2017

Marx contra Trump?

Versuch einer feministischen Orientierung in gespenstischen Zeiten

Eigentlich war die Arbeiterklasse längst von der Bühne der Geschichte abgetreten. Sie galt als tot, hoffnungslos zersplittert, aufgesogen von ebenjener kapitalistischen Maschinerie, die sie doch eigentlich für immer zum Stillstand bringen sollte.

Nun aber ist sie angeblich wieder da. Sie hat allerdings aktuell eher wenig im Sinn mit Kommunismus, Sozialismus, sozialer Demokratie oder sonst irgendwie links akzentuierter Politik. Ihre politische Tendenz geht vielmehr – so wird allenthalben berichtet – eindeutig nach rechts. Sie war entscheidend beteiligt am gänzlich unerwarteten Sieg von Donald Trump bei den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen, und sie hat auch in Europa einen so starken Anteil am Aufstieg rechter Parteien und Gruppierungen, dass diese schon als die neuen Arbeiterparteien oder gar die neue Arbeiterbewegung gelten.

Zugleich erleben wir schon seit einiger Zeit ein erstaunliches Revival des Entdeckers der Arbeiterklasse als dem Geburtshelfer einer von allen Ressentiments befreiten, klassenlosen Gesellschaft. Selbst in bislang eher antimarxistisch orientierten Kreisen, die bis vor kurzem sogar den Begriff des Kapitalismus aus ihrem Vokabular verbannt hatten (zugunsten der sozialen oder auch freien Marktwirtschaft), ist die Marxsche Kritik am zerstörerischen Potential einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung längst wieder en vogue.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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