Ausgabe Februar 2018

Brand mit Ansage: Der Grenfell Tower als Exempel

Wie ein weithin sichtbares Mahnmal ragt die Ruine des ausgebrannten Grenfell Towers aus der Silhouette Westlondons hervor. 71 Menschen waren bei dem verheerenden Brand im Stadtbezirk Kensington und Chelsea im Juni 2017 ums Leben gekommen. Seitdem fordern Überlebende und Angehörige der Opfer eine schonungslose Aufklärung des Unglücks ein. Zudem hat sich an der Brandkatastrophe eine grundsätzliche Debatte um soziale Spaltung entzündet. Für viele Kritiker ist klar: Ein gefährliches Gemisch aus Privatisierung und Deregulierung, Finanzialisierung und Austeritätspolitik lässt das Leben in der pulsierenden Metropole für Menschen mit niedrigen Einkommen zum täglichen Überlebenskampf werden.

Die Wut darüber zeigte sich deutlich bei der bewegenden Trauerzeremonie in der St. Paul’s Cathedral, zu der im vergangenen Dezember, genau sechs Monate nach dem Brand, Angehörige, Anwohner und Regierungsvertreter zusammengekommen waren. Der Gottesdienst war alles andere als gewöhnlich, nicht nur weil er entsprechend der ethnischen und religiösen Herkunft vieler Toter ungewöhnlich vielfältig war, sondern vor allem wegen seines politischen Charakters. Die in der St. Paul’s Cathedral Versammelten betrauerten die Opfer einer vermeidbaren Katastrophe.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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