Ausgabe Mai 2018

Katalonien: Eskalation ohne Ende

Besser hätte es für Carles Puigdemont nicht laufen können. Noch vor kurzer Zeit galt der ehemalige katalanische Regionalpräsident als abgeschrieben. Doch nun ist er aus dem politischen Abseits zurückgekehrt. Mit seinem unerwarteten Wiederaufstieg droht zugleich eine neue Stufe der Eskalation im Katalonienkonflikt.

Was war geschehen? Nach dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum vom Oktober 2017 und der Ausrufung der „Republik Katalonien“ war Puigdemont von der Zentralregierung in Madrid seines Amtes enthoben worden und hatte sich nach Belgien abgesetzt. Von dort aus führte er zwar höchst erfolgreich einen emotionalen Wahlkampf, aus dem sein liberales Wahlbündnis Junts per Catalunya (Gemeinsam für Katalonien) bei der vorgezogenen Regionalwahl am 21. Dezember 2017 knapp als stärkste Kraft des Unabhängigkeitslagers hervorging. Seine Wiederwahl schien dennoch unmöglich. Denn die Esquerra Republicana (Republikanische Linke), zweitstärkste Partei im separatistischen Block, machte keine Anstalten, den berühmten Exil-Katalanen in einer „Geste des Widerstands“ erneut zum katalanischen Präsidenten zu küren – und so weiteren Ärger mit der spanischen Justiz zu riskieren. „Die unseren haben mich aufgegeben“, schrieb Puigdemont Ende Januar resigniert an seinen ebenfalls in Brüssel lebenden Freund und Kollegen Toni Comín.

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