Was gegenwärtig auf der politischen Weltbühne passiert, ist mit normalen Begriffen kaum mehr zu fassen: Noch vor Kurzem schien die verbale Eskalation zwischen Donald Trump und Kim Jong-un – zwischen „little rocket man“ und dem mit dem „größeren“ Atomknopf – auf eine militärische Entladung zuzulaufen. Jetzt aber schreiben sie sich amouröse Briefe und Trump hat sich „verliebt“.[1] Dagegen steht laut UNO-Generalsekretär António Guterres die Welt erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges vor einer unmittelbaren nuklearen Bedrohung. Und auch führende Atomforscher sehen die Atomkriegsuhr auf zwei vor zwölf. Die Sorge der Experten und die Furcht der Menschen haben – leider – einen realen Kern. Wie die Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri zeigen, modernisieren alle Atommächte – die offiziellen wie die inoffiziellen – ihre nuklearen Potentiale.[2] Zwar sank die Zahl der Atomsprengköpfe von 14 935 im Jahr 2017 auf 14 465 in diesem Jahr, doch es werden Milliarden in ihre Modernisierung und damit ihre Schlagkraft investiert. Allein in den USA sind es 400 Mrd. US-Dollar im Zeitraum zwischen 2017 und 2026. In der Spannung um die koreanische Halbinsel spiegelt sich ein weiteres Risiko. Anders als im Kalten Krieg geht es heute nicht mehr um zwei Akteure in zwei Blöcken.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.