Ausgabe Januar 2019

Das Ende der Illusionen: Wie weiter mit Russland und der Türkei?

Russland und die Türkei sind im letzten Jahrzehnt zum definierenden Anderen für die deutsche Politik geworden. Die Regime in beiden Staaten stehen für die Abkehr von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und liberalen Werten, schließlich für aggressives Außenverhalten, einschließlich dessen, was als „Cyberwar“ bezeichnet wird. Über Massenmedien, soziale Netzwerke und Verbände wirken Putin und Erdoğan auf die Meinungsbildung unter Deutsch-Russen und Deutsch-Türken ein. Vor dem Hintergrund der Krise aller liberalen Gesellschaften wie der Europäischen Union bestätigen Russland und die Türkei das westliche Selbstbild, zumindest ex negativo, zugleich fordern sie es jedoch fundamental heraus. Beide Regime sind damit ein Frontalangriff auf das Wertesystem westlicher Gesellschaften. Im Verhältnis zu den hohen Erwartungen nach der Jahrtausendwende verkörpern Russland und die Türkei die Grenzen der liberal-demokratischen Transformationsagenda, das Ende einer Hybris, die nach dem Ende der Bipolarität 1989/90 meinte, die Anziehungskraft des eigenen Vorbildes sei unwiderstehlich. Die Ernüchterung über den Verlust der eigenen Lufthoheit ist fundamental.

Die Desillusionierung ist umso grundstürzender, als die liberale Demokratie und eine offene Gesellschaft auch innerhalb westlicher Gesellschaften an Attraktivität einbüßen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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