Ausgabe Juni 2019

Wachsen, aber richtig: Ökologisch, sozial, kommunal

Deutschland ein Elendsland: Den Eindruck konnte gewinnen, wer Anfang Mai die einschlägigen Aufmacher der sogenannten Leitmedien studierte. „Auslaufmodell Deutschland: Die fetten Jahre sind vorbei“, titelte der „Spiegel“. Und die „Business Week“ erkannte im angekündigten konjunkturellen Rückgang gar die „letzten Tage einer Ära“. 

Dem unverantwortlichen Optimismus der letzten Jahre folgt nun ein auffällig überschießender Pessimismus mit klar erkennbarer Zielrichtung, nämlich der Instrumentalisierung dieses angeblichen Menetekels – vom ökonomischen Absturz Deutschlands – zugunsten der Profitwirtschaft. Dabei wurde bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres die Nulllinie unterschritten. Deutschland schrammte nur knapp an einer Rezession vorbei. Wieder einmal hatten die teuer bezahlten Forschungsinstitute marktgläubig die Aufschwungskräfte überschätzt. Obwohl die Gefahr der Rezession schon damals erkennbar war, erwies sich die Prognose vom Herbst letzten Jahres für dieses Jahr mit 1,4 Prozent als viel zu optimistisch. Nun aber hat auch die Bundesregierung seit Anfang dieses Jahres Schritt für Schritt ihre optimistische Wachstumserwartung auf ein halbes Prozent zurückgeschraubt.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.