Ausgabe Mai 2019

Warlords vs. Technokraten: Der afghanische Machtkampf

Ghulam Nabi betreibt einen kleinen Saftstand nahe der berühmten Blauen Moschee von Mazar-e Sharif, der Hauptstadt der nordafghanischen Provinz Balkh. Das Geschäft läuft gut. Tagtäglich besuchen zahlreiche Menschen die Moschee und das Mausoleum, in dem Ali, der Vetter und Schwiegersohn des islamischen Propheten Mohammad begraben sein soll. Im Anschluss kommen viele zu Nabi, um einen frischen Orangen- oder Granatapfelsaft zu trinken. 

Der Saftverkäufer kann sich nicht beschweren, auch nicht über die Sicherheitslage. „Vor einigen Tagen gab es hier Probleme. Doch die wurden zum Glück schnell gelöst“, meint er. Die Ereignisse haben nichts mit den Taliban oder anderen aufständischen Gruppierungen zu tun. Stattdessen geht es um jene Scharmützel, die sich vor wenigen Wochen die Truppen von Präsident Ashraf Ghani mit Anhängern von Noor Mohammad Atta, dem ehemaligen Gouverneur der Provinz Balkh, lieferten. Sie sind Ausdruck eines sich zuspitzenden inner-afghanischen Machtkampfes, in dem sich zwei Seiten gegenüberstehen: auf der einen Seite die amtierende, vorwiegend mit Technokraten besetzte Regierung, die wenig Rücksicht auf traditionelle Machtstrukturen nimmt; auf der anderen Seite Kriegsfürsten wie Atta, die skrupellos ihre Macht zu sichern versuchen.

Hintergrund des Konflikts ist die vor einem Jahr getroffene Entscheidung der afghanischen Regierung, den Posten des Gouverneurs von Balkh neu zu vergeben.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.