Ob - und unter welchen Voraussetzungen - die deutsch-deutsche Entwicklung mit der west- und gesamteuropäischen synchronisiert oder doch kompatibel gemacht werden kann, hängt mitentscheidend von der Rolle der EG in diesem Prozeß ab. Hinsichtlich der Bundesrepublik stellt sich die Frage, ob ihre Einbindung in die westeuropäische Integration (und damit diese selbst) Schaden nimmt; hinsichtlich der DDR geht es darum, ob - und in welcher Form - sie als neuer Mitgliedstaat oder als Bestandteil einer vergrößerten Bundesrepublik einbezogen wird. Sollten die beiden Staaten sich zu einem neuen Gebilde zusammenschließen, das eigenständiges Völkerrechtssubjekt würde, kommt die Frage von Neuverhandlungen über die deutsche EG-Mitgliedschaft auf die Tagesordnung. - Wir freuen uns, daß es uns gelungen ist, einen Experten zu gewinnen, der das Thema "Die Europäische Gemeinschaft und die Einigung Deutschlands" sozusagen als Insider beurteilen kann: Botschafter a.D. Dr. Werner Ungerer war bis 1989 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei der EG in Brüssel. Bei dem nachstehenden Beitrag handelt es sich um die Druckfassung eines Vortrags, den Dr. Ungerer am 12. März d.J. vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München gehalten und den "Blättern" freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.