Ob - und unter welchen Voraussetzungen - die deutsch-deutsche Entwicklung mit der west- und gesamteuropäischen synchronisiert oder doch kompatibel gemacht werden kann, hängt mitentscheidend von der Rolle der EG in diesem Prozeß ab. Hinsichtlich der Bundesrepublik stellt sich die Frage, ob ihre Einbindung in die westeuropäische Integration (und damit diese selbst) Schaden nimmt; hinsichtlich der DDR geht es darum, ob - und in welcher Form - sie als neuer Mitgliedstaat oder als Bestandteil einer vergrößerten Bundesrepublik einbezogen wird. Sollten die beiden Staaten sich zu einem neuen Gebilde zusammenschließen, das eigenständiges Völkerrechtssubjekt würde, kommt die Frage von Neuverhandlungen über die deutsche EG-Mitgliedschaft auf die Tagesordnung. - Wir freuen uns, daß es uns gelungen ist, einen Experten zu gewinnen, der das Thema "Die Europäische Gemeinschaft und die Einigung Deutschlands" sozusagen als Insider beurteilen kann: Botschafter a.D. Dr. Werner Ungerer war bis 1989 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik bei der EG in Brüssel. Bei dem nachstehenden Beitrag handelt es sich um die Druckfassung eines Vortrags, den Dr. Ungerer am 12. März d.J. vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München gehalten und den "Blättern" freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.