Ausgabe August 1990

Auf französischen Spuren

Vom (nicht ganz) rätselhaften Verschwinden der Linksintellektuellen

Am Tag, als J.P. Sartre starb, dem 15. April 1980, erschien - damals weitgehend unbemerkt - in einem Pariser Verlagshaus eine neue intellektuelle Zeitschrift, "Le Débat". Als Druckerzeugnis reüssierte die neue "Debatte" rasch. Und doch taucht seit dem Tod von Sartre, Barthes, Foucault, der Krankheit von Althusser u.a. immer wieder die Frage auf, ob die Figur des Linksintellektuellen verschwindet und mit ihr die großen Debatten, die intellektuellen Abenteuer 1).

I. Intellektuelle Entwicklungen in Frankreich

Die intellektuelle Landschaft Frankreichs hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert: In der Nachkriegszeit profitierte (und zehrte) der Parti Communiste Fran?ais (PCF) aufgrund seines herausragenden Beitrags zur Résistance von einem Prestige, das viele Intellektuelle anzog und zu Weggefährten machte. Die Diskussion um den "Existentialismus", der eine ganze Generation faszinierte, nahm Bezug auf die kommunistische Auffassung von Individuum, Kollektiv und Engagement. Sartre, lange ein Wegbegleiter des PC, entwickelte sich zu der Leitfigur linker Intellektueller und später zur Gegenfigur von de Gaulle. Kritiker der Konsumgesellschaft verschafften sich nur mühsam Gehör. In den 60er Jahren brachte das "französische Wirtschaftswunder" einen gewissen Wohlstand: Telefon, Fernsehen, Auto, Kühlschrank, Waschmaschine verbreiteten sich rasch.

August 1990

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.