Ausgabe Februar 1990

Gib Gas, Ich will Spaß

Zwischen Autoboom, Verkehrskollaps und Umweltvergiftung

Lange Zeit galt die Autoindustrie als Wachstumsbranche par excellence, das Auto selbst als unverzichtbares Statussymbol und Ausdruck auslebbarer individueller Freiheiten. Die Produktion von Autos erwies sich in den 50er und 60er Jahren als wichtige Triebkraft und Symbol der Wirtschaftswunderkonjunktur, die Massenmotorisierung eröffnete zugleich großen Teilen der Lohnabhängigen z.T. völlig neue Mobilitätsmöglichkeiten. Die gesellschaftliche Akzeptanz des Autos war überwältigend. Auch heute ist dieser breite, bis weit in die 70er Jahre hinein ungebrochene Grundkonsens der Autogesellschaft noch keineswegs erschüttert. Die Autoindustrie ist und bleibt auf absehbare Zeit eine Schlüsselbranche der bundesdeutschen Wirtschaft; das Verkehrsnetz und die Konsuminfrastruktur sind ganz wesentlich auf das Auto zugeschnitten; Freizeitverhalten und Statusdenken konkretisieren sich nach wie vor in hohem Maße über Besitz und Pflege von Chrom und Blei.

Gleichwohl ist das Auto in den vergangenen Jahren ins Gerede gekommen. Zum einen wird immer deutlicher der große Beitrag sichtbar, den der motorisierte Individualverkehr zur ö k o l o g i s c h e n K a t a s t r o p h e beisteuert. Stichworte sind Ozonloch und Treibhauseffekt, Waldsterben und Smog in Ballungsgebieten, aber auch Umweltzerstörung durch Straßenbau und Lärmbelästigung durch den Autoverkehr.

Februar 1990

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.