Ausgabe Januar 1990

Noch ein weiter Weg

Namibia nach den Wahlen

Vom 7. bis 11. November 1989 wurden unter der Bevölkerung Namibias, wie im UNO-Lösungsplan gemäß Resolution 435 des Sicherheitsrates festgelegt, Wahlen für eine verfassungsgebende Versammlung des Landes durchgeführt. Von den 701 269 im August und September ins Wählerregister eingetragenen Menschen haben 670 830 von ihrem Recht Gebrauch gemacht und ihre Stimme einer der zehn kandidierenden Parteien und Bündnisse gegeben. Mit dieser Wahlbeteiligung von er 95% hat die Bevölkerung eindrucksvoll ihre Mündigkeit unter Beweis gestellt, die ihr mehr als ein Jahrhundert durch eine der rigidesten Formen kolonialer Fremdherrschaft abgesprochen worden war.

Damit hat das ehemalige "Deutsch-Südwestafrika" einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung auf die formale Unabhängigkeit im Zuge eines international vereinbarten und von den Vereinten Nationen überwachten Dekolonialisierungsprozesses vollzogen, wenngleich das "happy end" damit noch nicht programmiert ist. Als am Dienstagmorgen, dem 7. November, die 353 Wahllokale öffneten, hatten viele NamibierInnen schon stundenlang in Warteschlagen ausgeharrt, die während der ersten Wahltage oft mehrere hundert Meter Länge erreichten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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