Ausgabe September 1990

Der Stille Krieg

Marktwirtschaft in der Dritten Welt

"Am bedeutungsvollsten in den 80er Der stille Krieg Jahren war die Schaffung eines weltweiten Konsensus, daß der Markt und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit... die beste Medizin gegen Armut sind." Weltbank-Präsident Barber Conable 1)

Wer etwas oft genug sagt, ohne auf Widerspruch zu stoßen, kann den größten Unsinn zur Diskussionsgrundlage machen. Genau das gilt für Conables, Bushs, Thatchers oder Kohls These, daß nicht staatliche Planung mit ihrer "zwangsläufigen" Mißwirtschaft, sondern nur die "freie" Marktwirtschaft mit ihren "harten, aber fairen" Regeln zu Wachstum und Wohlstand führt. Der Dritten Welt wird diese Karotte mehr denn je vor die Nase gehalten, seit der "reale Sozialismus" in den Frankfurter und Washingtoner Vorstandsetagen Bücklinge macht. Dabei zeigen selbst Statistiken der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF), der beiden internationalen Polizisten der westlichen Industrienationen, daß marktwirtschaftliche Entwicklungsprogramme (Stichwort Strukturanpassung) fast überall versagt haben. Die meisten Länder, die den Rezepten des IWF und der Bank folgen, sind jetzt zutiefst verschuldet; ihre Menschen leiden Armut und Hunger. Die sogenannte freie Marktwirtschaft hilft eben in erster Linie den Ländern, die ihre Spielregeln festlegen 2).

September 1990

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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