Ausgabe April 1991

Der amerikanische Bonaparte

Mitunter machen Männer doch Geschichte. Ein solcher Verdacht, kaum ausgesprochen, reizt zum Widerspruch und ist dennoch so leicht nicht aus der Welt zu schaffen. Denn der Golfkrieg war auf irritierende Weise anders.

Noch nie trat ein amerikanischer Präsident derart forsch vor Öffentlichkeit und Kongreß. George Bushs Vorgänger hätten in dessen "Chronik eines angekündigten Krieges" die Handschrift eines politischen Selbstmörders gelesen. Die beiden Roosevelts, Truman, Kennedy oder Johnson - wann immer es um Krieg oder Frieden ging, mußten sie äußerst vorsichtig zu Werke gehen und vor wechselnden Mehrheiten auf der Hut sein, die sie hätten zu Fall bringen können. Für den Eintritt in die beiden Weltkriege gab es erst grünes Licht, nachdem die USA direkt angegriffen worden waren: der Kreuzer "Lusitania" im einen Fall, der Marinestützpunkt Pearl Harbor im anderen. Und in Korea, in der kubanischen Schweinebucht oder in Vietnam konnten die Präsidenten Truppen nur einsetzen, weil sie die Öffentlichkeit getäuscht und betrogen hatten. Truman wie Johnson zahlten letztendlich dafür mit ihrem Amt. Ganz anders George Bush. Seit dem 2.

April 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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