Ausgabe August 1991

Hochgeschwindigkeitspolitik

Aus östlicher wie (schon weniger) aus westlicher Perspektive wies die alte DDR drei Errungenschaften auf: die Frauenpolitik, die Bildungspolitik und die Verkehrspolitik. Die Frauenerwerbsquote lag bei 90%, das Bildungssystem hatte einen qualitativ hohen Standard, und der öffentliche Verkehr konnte praktisch zum Nulltarif genutzt werden. Genau mit den Ressorts Frauen, Bildung und Verkehr wurden bei der Zusammenstellung des Bonner Kabinetts auch ehemalige DDR-Politiker/innen aus den Blockparteien betreut. Der nach allgemeinem Dafürhalten profilierteste dieser Politiker, Verkehrsminister Krause, ist bereits nach wenigen Monaten der Amtsübernahme ins Gerede geraten. Ganz aktuell, weil er möglicherweise in dubiose Machenschaften bei der Vergabe von Raststättenlizenzen verstrickt ist, schon etwas länger, weil seine Verkehrspolitik in der (alles entscheidenden) westlichen Öffentlichkeit (aus unterschiedlichen Gründen) nicht gut bewertet wird.

Die Vorhaben: Beschleunigungsgesetz und Maßnahmegesetz

Worum geht es? Inhaltlich um den Ausbau der Verkehrswege in der ehemaligen DDR, formal um eine Veränderung im Planungsrecht. Mit dem sogenannten Beschleunigungsgesetz soll die mittlerweile im Westen übliche Planungszeit (bis zu zwanzig Jahren), nach der ein Verkehrsneubau begonnen werden kann, auf zehn Jahre verkürzt werden.

August 1991

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.