Ausgabe Dezember 1991

Die wirtschaftliche Lage Westdeutschlands im Herbst 1991

Die Gegensätze in der Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in Ostdeutschland (vgl. "Blätter", 11/1991) und Westdeutschland haben sich in den letzten Monaten abgeschwächt.

Während die gesamtwirtschaftliche Leistung im Osten nicht weiter zurückgeht, ist das Wachstum im Westen zum Stehen gekommen. In saisonbereinigter Betrachtung nimmt das westdeutsche Sozialprodukt nicht mehr zu, das ostdeutsche nicht mehr ab. Die Frage ist, ob diese Anpassung der konjunkturellen Entwicklungsdynamik in den beiden Landesteilen den Beginn einer Rezession markiert oder den Übergang zu einer erneuten Belebungsphase, nun aber in beiden Teilen Deutschlands. Dies kann vom heutigen Standpunkt aus nicht eindeutig beantwortet werden. Einmal scheint klar zu sein, daß das Ende des Schrumpfungsprozesses in Ostdeutschland kein "Indiz für eine breit angelegte, kräftige wirtschaftliche Erholung" ist (Herbstgutachten der westdeutschen Wirtschaftsforschungsinstitute).

Das Ostberliner Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) meint sogar, daß dies erst ab 1995 der Fall sein würde. Die wirtschaftliche Aktivität im Osten wird nach wie vor durch weiter zunehmende Finanztransfers aus dem Westen gestützt. Zum anderen aber lassen die zusätzlichen Nachfrageimpulse aus dem Osten nach, die bislang dem Westen eine Sonderkonjunktur beschert hatten.

Dezember 1991

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.