Ausgabe Juli 1991

Indien ohne Gandhi

Am 21. Mai 1991 setzte eine Bombe nicht nur dem Leben des Vorsitzenden der indischen Kongreßpartei Rajiv Gandhi ein Ende, sondern auch der Nehru-Gandhi-Dynastie, die über ein halbes Jahrhundert fast ununterbrochen die Politik auf dem Subkontinent bestimmte.

So scheint es zumindest im Moment, allerdings wird Rajivs Witwe, die gebürtige Italienerin Sonia Gandhi, nach wie vor als eine Kandidatin für das Amt der Ministerpräsidentin gehandelt, sollten die Parlamentswahlen, die nach Redaktionsschluß stattfanden, der Kongreßpartei eine Mehrheit bescheren. In jedem Fall ist der neue, 70jährige Vorsitzende der Kongreßpartei, P.V. Narasimha Rao, nur als Mann des Übergangs zu sehen.

Nachdem Sonia diesen Posten abgelehnt hatte, einigte sich die Kongreßspitze auf Rao. Der ehemalige Außenminister genießt hohes Ansehen und fügt sich noch in die glorreiche Geschichte der Kongreßpartei, der er sich im Kampf gegen die britischen Kolonialherren 1988 angeschlossen hatte.

So birgt Narasimha Rao Kontinuität und Übergang in einer Person, doch ist mit seiner Wahl über das zukünftige Schicksal der Kongreßpartei noch lange nicht entschieden. Angesichts ihres Charakters als quasi institutionalisierte Staatspartei wird ihre Entwicklung für die gesamte indische Politik ausschlaggebend sein.

Juli 1991

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