Ausgabe Juli 1991

Kommen und Bleiben

Sowjetische Juden in Deutschland

Es sollen wirklich nicht mehr als 5000 sowjetische Juden sein, die zwischen April 1990 und Frühjahr 1991 nach Deutschland eingereist sind. Das zumindest läßt sich allgemeinen Erkenntnissen entnehmen, die in Abständen Schlagzeilen machen. 5000 Menschen, Männer und Frauen, Kinder und Alte, die dabei sind, in Berlin und anderswo heimisch zu werden. Manchmal sagen die Immigranten aus Moskau, Leningrad, Charkow und anderswo ironisch, sie gehörten zur deutschen Alijah, wissend, daß Alijah die Heimkehr der Juden ins Heilige Land, nach Israel meint. In der jüdischen Welt wird dieser Einwanderung nach Deutschland unter Berufung auf die jüngste Geschichte mit gemischten Gefühlen begegnet, die bis hin zu vehementer Ablehnung reicht. In jüdischen Zeitungen vor allem der USA ist das Thema folglich ein Dauerbrenner.

Vor 800 Jahren schrieb der RAMBAM, wie Moses ben Maimon oder Maimonides, der bedeutende Lehrer, auch genannt wird, daß ein Jude den Ort verlassen sollte, an dem er als Jude gedemütigt und im Glauben behindert wird: "Wer dort verbleibt, gilt als Sünder; er entweiht den Namen Gottes und gleicht fast dem, der vorsätzlich handelt." Und doch scheint auch er keinen Bann über ein Land zu verhängen, in dem neue Generationen glaubhaft versichern können, sie hätten sich vom antijüdischen Erbe der Vorfahren frei gemacht.

Juli 1991

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