Der nachstehende Beitrag befaßt sich mit der Diskrepanz zwischen dem universalen Anspruch der westlichen Lebensweise und dem beschränkten "Möglichkeitsraum" seiner Verwirklichung. Indem Altvater von einer Kritik "kommunitaristischer" Ansätze ausgeht, verknüpft er zwei Stränge der "Blätter"-Debatten der letzten Monate: Die Auseinandersetzung dreht sich um die Rolle des Nordens/Westens bei der Verursachung - und bei einer Bewältigung der globalen Problemlagen. Sich hier schlichtweg auskoppeln und in "Gemeinschaften" der Privilegierten verschanzen zu wollen, wirft Altvater Vertretern des Communitarianism vor. Seine Kritik korrespondiert hier mit Analysen, die eine Auskoppelung der "Zweidrittelwelt" des Südens und des Ostens aus einem zunehmend sich selbst genügenden Metropolen-Weltmarkt verzeichnen. Die Kritik an einer "neuen Kaste von Nimbys" (die nach dem Motto "Not In My Backyard" ihre "Gemeinschaft" sauber hält, indem sie anderen ihren Dreck vor die Tür kehrt), leugnet nicht die Notwendigkeit, überschaubare und demokratisch "handhabbare" Politikräume zu identifizieren, wie sie etwa Christoph Müller im "kommunalsozialistischen" Ansatz findet, der ganz konkret von der Gemeindeebene ausgehend auf- und umbaut. Vgl.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.