Ausgabe Februar 1993

Im Westen Neues

Bill Clinton und der Umbruch in Amerika

Die meisten Kommentatoren des Sieges von Bill Clinton bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November letzten Jahres haben darauf hingewiesen, daß es wohl in erster Linie um eine Abwahl Bushs gegangen sei und daß praktisch jeder, der die Nominierung als demokratischer Gegenkandidat erkämpft hätte, anschließend auch als Sieger aus der Wahl hervorgegangen wäre. Gewöhnlich verbinden sich diese Analysen denn auch mit - je nach politischem Standort resignativ oder triumphierend gemeinter - Geringschätzung dessen, was dieser relativ junge Präsident an relevanten Veränderungen in den USA durchsetzen könnte - vorausgeetzt, daß er es überhaupt wolle, was von nicht wenigen ebenfalls bezweifelt wird.

Politik in den modernen Mediendemokratien besteht aus zwei grundsätzlich voneinander zu unterscheidenden Handlungsfeldern: zum einen der Erringung bzw. Erhaltung der Macht mit Hilfe der Gewinnung von Anhängern bzw. Wählerstimmen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort, zum zweiten der Ausübung der Macht im Sinne einer bestimmten Strategie oder der Interessendurchsetzung.

Februar 1993

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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