Ausgabe Januar 1993

Lateinamerika im Clinton-Schock

Der Sieg Bill Clintons, den der künftige Präsident nicht zuletzt den h i s p a n i c s, also den in den USA lebenden Lateinamerikanern zu verdanken hat, ist in Mittel- und Südamerika mit sehr gemischten Gefühlen und selbstverständlich mit besonderem Interesse aufgenommen worden. Die Regierungen der Region, so gut wie alle ideologisch mit Bush identifiziert, bedauern mit kaum verhohlener Unruhe die vorzeitige Pensionierung ihres "großen Freundes" in Washington und fürchten die protektionistischen Tendenzen, die sie von Clinton und den Demokraten im allgemeinen erwarten. Eine nähere und gelassenere Betrachtung der Beziehungen zwischen den USA und Lateinamerika legt jedoch die Vermutung nahe, daß die Machtablösung im Norden wesentlich mehr Positives als Negatives für den Rest der Region zur Folge haben könnte. Die Reaktionen sind natürlich je nach Land und politischen Präferenzen verschieden.

In den offiziellen Kreisen Mexikos, die voll und ganz auf den "Gemeinsamen Markt des Nordens" gesetzt haben, ist die Unruhe besonders verständlich, denn nach dem kanadischen Referendum und dem Sieg Clintons erscheint dieses Projekt kaum weniger utopisch als die Verwirklichung der europäischen Währungsunion bis zum Jahr 2000.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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