Ausgabe April 1994

Somalisierung Afrikas?

Der Kontinent zwischen Chaos und Pax Africana

Immer neue Nachrichten über Unfrieden und Unsicherheit prägen das von den Medien gepflegte "katastrophische Afrikabild": Armut, Despotismus, Kriege, Hunger und Flüchtlingselend sowie Aids und Stammesfehden machen Afrika zu einem Synonym für Sozialkatastrophen und wirtschaftliche Unterentwicklung und scheinen die zivilisatorische Rückständigkeit des Kontinents zu bestätigen. Dieses Bild vom "Chaos Afrika" suggeriert, daß die Region südlich der Sahara eine wabernde Konfliktmasse ist, aus der heraus sich immer neue Konflikte nach immer gleichem Muster entzünden 1). Afrika ist jedoch kein monolithisches Gebilde, sondern ein Kontinent, der sich aus unterschiedlichen Welten zusammensetzt, die weiter auseinanderliegen als Sizilien und die Shetlands.

Als heterogener Kulturraum, als Ort historischer und gesellschaftlicher Ungleichzeitigkeiten ist Afrika noch kaum entdeckt. Der umgekehrten historischen Wahrnehmung, dem eindimensionalen Blick auf das "Chaos Europa", entspräche es etwa, das Blutvergießen in Nordirland, die Wirrnisse in Rußland und die Schlächtereien auf dem Balkan in eins zu setzen. Die Vorstellung vom "Chaos Afrika" ist eine nachkoloniale Obsession.

April 1994

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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