Ausgabe August 1994

Ärzte zwischen Ethik und Monetik

Die Bestechungsgelder, die an Herzchirurgen fließen, sind nur die kriminelle Spitze eines legalen Eisbergs. Chefärzte verdienen zusätzlich zu ihren BAT-I-Gehältem Millionen an den Privatpatienten und entziehen dafür ihre Arbeitskraft dem allgemeinen Versorgungsauftrag ihres Krankenhauses. Pharmareferenten verlassen keine Praxis oder Klinik, ohne nicht irgendein Mitbringsel hinterlegt zu haben, keine Fortbildungsveranstaltung endet ohne ein Buffet der Pharmaindustrie. Kassenärzte betreiben, mittlerweile computerunterstützt, eine Abrechnungsakrobatik, die aus dem kleinsten Zipperlein noch eine lohnende Krankheit macht. Wer kennt die Zahl der überflüssigen, allein aus materiellem Interesse durchgeführten Entfernungen von Mandeln, Blinddärmen, Gebärmüttern, die aus den gleichen Motiven veranlaßten Röntgen-, Ultraschall-, EKG-, EEG-Untersuchungen?

All das ist natürlich legal. Ist es aber auch legitim angesichts des hohen ethischen Anspruchs dieser Berufsgruppe? Die an die Öffentlichkeit gekommenen Betrugsfälle in Milliardenhöhe sind ohne den Verfall der Sitten, ohne die in Jahrzehnten gewucherte Kommerzialisierung ärztlicher Berufsausübung undenkbar; sie sind die logische, wenn auch kriminelle Konsequenz.

August 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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