"Kein anderes Ereignis meiner Zeit als Außenminister bewirkte ein so tiefes Nachdenken über die von Emotionen geprägte, komplexe und komplizierte Rolle Deutschlands in Vergangenheit und Gegenwart und über die Beziehungen Deutschlands zur übrigen Welt wie die Kontroverse über Präsident Reagans Besuch in Bitburg 1985." So beginnt - mit der lakonischen Überschrift "Bitburg" - das längste Kapitel der Erinnerungen, die George P. Shultz kürzlich unter dem Titel "Turmoil and Triumph. My Years as Secretary of State" veröffentlicht hat. Der seinerzeitige Chef der amerikanischen Diplomatie faßt in seiner minuziösen Ablaufschilderung die international unvergessene "lesson of Bitburg" zusammen: Was jemandem passieren kann, und sei er auch Präsident oder Außenminister der USA, wenn er sich auf den Historiker Kohl und seine Konzeption von "Versöhnung" einläßt. Die diesjährigen Debatten, Vorstöße und halben Rückzüge von Omaha Beach über Weimar und Berlin bis zu den Londoner "Schlußstrich"-Plänen für den 8. Mai 1995 (vgl. den Beitrag von Helmut Ridder in diesem Heft) demonstrieren, daß die Lektion von Bitburg keineswegs verarbeitet, keine abgeschlossene Geschichte ist.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.