Ausgabe März 1994

Willy Brandts Ostpolitik und die Detente

Zur Historie einer fortdauernden Begriffsverwirrung

"Das Etikett 'Ostpolitik' sagt mir nicht zu Das Wort ist vorbelastet." Willy Brandt *) Wird sich das Bild des SPD-"Zuchtmeisters" Herbert Wehner demnächst "noch labyrinthischer und gequälter" gestalten, wie der britische Historiker Timothy Garton Ash vermutet 1)? So könnte es kommen. Welche Absichten Brigitte Seebacher-Brandt und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mit der Publikation der Notizen von Willy Brandt verfolgen, mag hier dahingestellt bleiben. Wichtiger erscheinen andere Hintergründe, die aber nur in größeren Zusammenhängen zu erläutern sind: In welchem Rahmen bewegte sich eigentlich die Politik der beiden deutschen Staaten nach 1949? Was läßt sich, daraus folgend, heute zur Rolle Wehners und anderer Politiker, auch im Zusammenhang mit Brandts Sturz sagen?

Was schließlich bedeutet "Ostpolitik", die hierzulande immer wieder mit Entspannungspolitik verwechselt wird, und der in ihrer ältest-neuesten Variante, als S c h a u k e l p o l i t i k, zur Zeit neue "europäische" Kleider geschneidert werden? Die kürzlich aufgebrochene Debatte über die großen sozialdemokratischen Politiker Willy Brandt und Herbert Wehner ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

März 1994

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