Ausgabe Mai 1994

Populismo e Fascismo

Italien auf dem Weg in den autoritären Staat?

Das rechte Bündnis um den zwielichtigen Medienzar Silvio Berlusconi hat mit erdrückendem Vorsprung die Wahlen in Italien gewonnen. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Von einem Tag auf den anderen änderte sich das Klima in der fünftgrößten Industrienation der Welt.

Noch in der Wahlnacht zogen johlende Gruppen mit dem "saluto romano", dem Mussolini-Gruß, durch die Straßen Roms. In den folgenden Tagen häuften sich in der Presse der Sieger drohende Äußerungen gegen den politischen Gegner, schon brannten wieder Parteilokale der "Kommunisten". Einschüchterungen blieben aber nicht auf die Straßen und Plätze beschränkt. Man sprach öffentlich über drohende Attentate gegen Richter und Entführungen von Journalisten und deren Angehörigen. Nicht zufälligerweise handelte es sich dabei um Personen, die durch Aufdeckung der Korruptionsskandale im Norden und durch Enthüllung der mafiosen Verwicklungen im Süden des Landes nicht unwesentlich zur "sanften Revolution" in den letzten beiden Jahren beigetragen hatten.

Mai 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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