Ausgabe November 1994

Die Sache mit dem Aufschwung

Irrwege und Konsequenzen einer Kontroverse im Wahljahr

Daß die liberalkonservative Koalition am 16. Oktober die Macht in Bonn, wenn auch überraschend knapp, behaupten konnte, wird von Wahlanalytikern in erster Linie auf den konjunkturellen Aufschwung zurückgeführt. Dessen Zustandekommen, in den wirtschaftswissenschaftlichen Konjunkturprognosen des vergangenen Herbstes so nicht vorhergesehen und von den Kritikern einer marktradikalen Angebotspolitik sogar bis tief in den Wahlsommer hinein bestritten oder relativiert, läßt die Gegner alternativer wirtschaftspolitischer Ansätze triumphieren. Ist neben der - angesichts der Veränderung der parlamentarischen Kräfteverhältnisse reversibel erscheinenden - Niederlage in Sachen Machtwechsel ein möglicherweise gravierenderer konzeptioneller Kompetenzverlust der Opposition zu verzeichnen? Rudolf Hickel untersucht nachfolgend die konjunkturelle Entwicklung seit dem Herbst 1993, um zwei Fragen nachzugehen: Hat die Angebotslehre gesiegt? Und: Welches ist der Preis einer Strategie der Forcierung privatwirtschaftlichen Wachstums? Die Auseinandersetzung mit diesen beiden politischen Schlüsselfragen der kommenden Legislaturperiode beschließt Hickel mit Hinweisen zur Agenda einer Politik, die eine Stabilisierung der Konjunktur mit dem ökologischen Umbau der Volkswirtschaft verknüpft. D. Red.

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November 1994

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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