Ausgabe September 1995

Ethnische Trennung

"Es gibt historische Situationen, in denen verschiedene Nationen, die im Herzen Erinnerungen an Ungerechtigkeiten und den Haß von Jahrhunderten tragen, einfach nicht zusammenleben können. Dann ist das 'geringste Übel' eine klare Trennung zwischen solchen Völkern: eine Grenze ziehen und die Bevölkerungen austauschen." So kommentierte Anfang August die unabhängige israelische Tageszeitung "Jediot Achronot" die mit dem kroatischen Blitzsieg in der Krajina eingeläutete neue Runde von Vertreibungen im dritten Balkankrieg. Nicht zufällig stand diese nüchterne Lagebeurteilung in einer israelischen Zeitung - in Israel hat man zur Problematik des Zusammenlebens verschiedener Völker und Religionen in einem Staat ein etwas realitätsbezogeneres Verhältnis als in Deutschland. Bei uns ist es fast ein Tabubruch, Bevölkerungsaustausch und Umsiedlungen als Problemlösung auch nur zu erwägen, die Idealvorstellung einer multikulturellen Gesellschaft beherrscht das Denken.

Während man das ideologische Für und Wider eines Bundeswehreinsatzes out of area als Grundsatzfrage mit Leidenschaft debattiert, geraten die konkreten politischen Ziele einer militärischen Intervention in Bosnien aus dem Blickfeld. Da aber geht es ums Detail, z.B.

September 1995

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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